- Hans-Joachim Czirski
Hundeführerschein für alle? – Erst die richtigen Fragen klären
Im Landtag Nordrhein-Westfalen liegt ein SPD-Antrag vor, der einen Sachkundenachweis für alle Hundehalterinnen und Hundehalter vorsieht (Drucksache 18/18084). ProHunde nimmt zu der geplanten Sachkundepflicht Stellung. Die erste Frage lautet:
Welches Ziel soll die Pflicht erreichen – und ist sie dafür geeignet?
Aus Sicht von ProHunde sind vor einer Ausweitung insbesondere fünf Punkte zu klären:
| Punkt | Kern |
|---|---|
| Prüfung vs. Kurs | Eine Prüfung stellt Wissen fest – sie vermittelt es nicht |
| Zuständigkeit | Gefahrenabwehr ist Ländersache, Tierschutz ist Bundesrecht |
| Wer bildet aus? | Fachliche und didaktische Qualifikation statt Institution |
| Evaluation | Über 20 Jahre Sachkundepflicht in NRW – ohne veröffentlichte Auswertung |
| Bissprävention | Prävention für alle – und barrierefreie Prüfungen |
1. Prüfung ist keine Ausbildung
Eine Prüfung stellt Wissen fest – sie vermittelt es nicht. Wer verpflichtende Kurse vorschreibt, belastet Hundehalterinnen und Hundehalter zusätzlich mit Kosten, Zeitaufwand und Wegen.
Merke
Der Staat legt fest, welches Wissen nötig ist – nicht, wie man es lernt.
2. Gefahrenabwehr ist kein Tierschutz
Die Regelungskompetenzen sind klar verteilt: Gefahrenabwehr ist Ländersache, Tierschutz ist Bundesrecht. Ein Landesgesetz zur Gefahrenabwehr darf beides nicht vermischen.
Die Prüffrage
Für jeden Pflichtinhalt muss beantwortet werden: Welcher konkreten Gefahr beugt er vor?
3. Qualifikation statt Institution
Wer ausbildet, muss fachlich und didaktisch qualifiziert sein. Entscheidend ist die Qualifikation der ausbildenden Person – nicht die Einrichtung, für die sie tätig ist. Ein Tierheim zu betreiben, ist dafür kein Nachweis.
Achtung
Tierheimfinanzierung ist kein Zweck der Gefahrenabwehr.
4. Erst prüfen, dann ausweiten
In Nordrhein-Westfalen gilt seit über 20 Jahren eine Sachkundepflicht – eine veröffentlichte wissenschaftliche Auswertung ihrer Wirkung gibt es bislang nicht. Bevor die Pflicht auf alle Hundehalter ausgeweitet wird, sollte daher belegt sein, ob die bestehende Regelung ihr Ziel erreicht.
Merke
Nach der Rechtsprechung des Bundesverfassungsgerichts gilt: Ist die Prognose des Gesetzgebers unsicher, muss er die Wirkung seiner Regelung beobachten und gegebenenfalls nachbessern.
5. Prävention für alle
Bissprävention endet nicht am Gartenzaun. Viele Begegnungen mit Hunden betreffen Menschen, die selbst keinen Hund halten. Deshalb sollten auch
- Kinder und
- Nicht-Hundehalter
den Umgang mit Hunden lernen.
Wichtig
Jede Prüfung muss barrierefrei sein.
Kurz gesagt
Die Position von ProHunde
- Wissen prüfen – den Lernweg freistellen.
- Gefahrenabwehr und Tierschutz sauber trennen.
- Qualifizierte Ausbilder statt bestimmter Institutionen.
- Bestehende Sachkundepflicht erst auswerten, dann ausweiten.
- Bissprävention für alle – und barrierefreie Prüfungen.
Quelle: SPD-Antrag „Sachkundenachweis für alle“, Landtag NRW, Drucksache 18/18084.
Autorenportrait
Hans-Joachim (Hajo) Czirski
arbeitet bei: ProHunde
Hauptfokus: Verbandsleitung
kommt aus: Zernien
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