Manfred Burdich

Was tun bei Sportverletzungen?

Welcher Hundefreund kennt das nicht: Der Hund rennt über die Wiese, sei es, dass er seinem Frisbee oder seinem Ball nach jagt - plötzlich ein straucheln, ein kurzer Aufschrei und der Hund kommt humpelnd zurück zu seinen Menschen. Eine Situation, die bei jedem aktiven Hund passieren kann. Noch anfälliger für Verletzungen als die „Normalos“ unter den Hunden sind alle sportlich aktiven Hunde. Verletzungen von Sehnen und Bändern, Zerrungen oder sogar Knochenbrüche sind bei Hunden von Hundesportlern leider keine Seltenheit. Was also tun bei Sportverletzungen?

Die wichtigste Regel vorneweg: Ruhe bewahren! Bei einer Verletzung hat Ihr Hund Stress genug. Vermeiden Sie daher jede zusätzliche Aufregung. Bedenken Sie auch, dass Ihr Hund in einer Schocksituation auch paradox reagieren kann - sie zum Beispiel beissen kann oder wegläuft und dabei sich selbst oder andere potenziell gefährdet. Bei jeder Erste-Hilfe-Massnahme gilt daher die eiserne Regel: Selbstschutz geht vor Fremdschutz! Sichern Sie die Umgebung und sich ab. Um den Hund zu untersuchen, kann es notwendig sein, eine Maulschlinge anzulegen. Wie das funktioniert, zeigt Ihnen gerne jeder Tierarzt oder besuchen Sie einen Erste-Hilfe-Kurs für Hundehalter. Geben Sie Ihrem verunfallten Tier in der akuten Unfallsituation auch keine Schmerzmittel. Dies würde dem Tierarzt die genaue Diagnose erschweren, weil die Schmerzabwehr herabgesetzt ist. Gott sei Dank sind die häufigsten Verletzungen aber selten lebensgefährlich und gut beurteilbar. Die wichtigsten Sportverletzungen seien daher hier kurz dargestellt:

Das wohl häufigste Symptom bei einer Sportverletzungen ist die Lahmheit. Bei einer plötzlichen Lahmheit, die während sportlicher Betätigung auftritt, ist der Zusammenhang zwischen Ursache und Wirkung offensichtlich. Der Vollständigkeit halber sei aber erwähnt, dass auch Erkrankungen wie Arthrosen, Arthritis, Borreliose, Gelenksdysplasien, Bandscheibenerkrankungen, Wachstumsstörungen, bösartige Tumore sowie Spondylosen (degenerative Veränderungen der Wirbelsäule) zu mehr oder minder lang anhaltenden Lahmheiten führen können. Daher sollte jede Lahmheit des Hundes als Symptom ernst genommen und der Tierarzt konsultiert werden. Lahmheiten sind aber auch Symptom für Zerrungen, Verstauchungen, offene Wunden, Bänderdehnungen oder Bänderrissen, usw. - also die klassischen unfallchirurgischen Erkrankungen.

Da ist zum einen die Prellung und Zerrung (=Kontusion und Distorsion)zu nennen: Auslöser für eine Prellung ist ein direktes Trauma, also ein Schlag, Stoß oder Aufprall mit oder auf einen stumpfen Gegenstand. Die durch einen Schlag entstehende Kompressionskraft wirkt hierbei auf das Gelenk ein, ohne dass eine Zugbeanspruchung des Bandapparates stattfindet. Bei einer Zerrung wird durch ein indirektes Trauma durch Biege- oder Drehkräfte der elastische Bandapparat gedehnt. Hierbei zerreissen einzelne Bindegewebefasern, allerdings kommt es nicht zu einer kompletten Durchtrennung der Bänder. Prellungen erleidet der Hund sehr oft, wenn er im Eifer des Gefechts gegen ein Hindernis rennt oder zum Beispiel mit einem anderen Hund kollidiert. Im Umgangssprachgebrauch werden die Begriffe Zerrung, Dehnung, Überdehnung, Verstauchung und Faserriss oft synonym verwendet und als „Distorsion“ bezeichnet. Bei einer Distorsion kommt es zu einer schmerzbedingten Bewegungseinschränkung, einer lokalen Schwellung und ggf. einem Weichteilhämatom (Bluterguss). Sowohl bei einer Prellung als auch bei einer Zerrung ist die Festigkeit des Bewegungsapparates nicht wesentlich beeinträchtigt. Um eine genaue Diagnose zu stellen, ist eine genaue Beschreibung des Unfallhergangs unerlässlich. Zerrungen und Prellungen können nicht im Röntgenbild festgestellt werden. Dennoch sollte im Zweifelsfall geröntgt werden, um Knochenbrüche auszuschließen. Derartige Verletzungen sind zwar sehr schmerzhaft, verheilen aber nach einigen Tagen von alleine. Kühlende Umschläge, wenn möglich eine Hochlagerung der verletzten Körperteile unterstützen den Rückgang der Schwellung, die auch für den Schmerz verantwortlich ist. Und nicht zuletzt sorgt eine adäquate Schmerztherapie durch tierärztliche Verordnung zu einer schnellen Genesung.

Sind die auf den Hund einwirkenden Biege- und Drehkräfte jedoch stark genug, so kann es durchaus sein, dass sich der Hund nicht nur eine Bänderdehnung zuzieht, sondern dass das Band komplett reißt. Hier spricht man dann von einem Bänderriss (=Bandruptur). Am häufigsten kommt es im Bereich des Knies zu einem Kreuzbandriss. Hier kann auch die Rasse des Hundes eine Rolle spielen. Golden Retriever beispielsweise sind bekannt dafür, dass es hier gehäuft zu Verletzungen des Kreuzbandes kommen kann. Die Symptome eines Bänderrisses sind die gleichen wie bei einer Zerrung des Gelenkes. Der Tierarzt kann zudem durch eine einfache körperliche Untersuchung feststellen, ob das betroffene Gelenk instabil ist. Wesentliches Merkmal ist die sog. „Schublade“, einer pathologischen Aufklappbarkeit des Gelenkes. Bandrupturen sollten baldmöglichst chirurgisch versorgt werden, da sich sehr schnell am betroffenen Gelenk Arthrosen bilden und dem Hund lebenslange Schwerzen und Bewegungseinschränkungen sicher sind. Durch eine gezielte Physiotherapie kann der postoperative Heilungsverlauf günstig beeinflusst werden. Um Bänderrisse vorzubeugen, empfiehlt es sich auf alle Sportarten und Spiele zu verzichten, die mit schnellen Stopps und Wendungen verbunden sind.

Verrenkungen oder Luxationen sind eher selten im Hundesport, sollen aber der Vollständigkeit halber nicht unerwähnt bleiben. Bei einer Luxation sind die Gelenkflächen nicht mehr miteinander verbunden. Das Gelenk ist „ausgerenkt“. Kennzeichen ist eine extremer Schmerz und eine unnatürliche und deforme Stellung des betroffenen Gelenks, einhergehend mit absoluter Bewegungsunfähigkeit. Häufig ist bei einer Luxation auch die Gelenkkapsel verletzt und Teile der stützenden Bänder gerissen. Hier hilft nur der schnelle Gang zum Veterinärmediziner und eine schnelle Intervention. Auch Knochenbrüche (=Frakturen) sind sehr schmerzhaft und bedürfen einer sofortigen Diagnose und Behandlung durch den Tierarzt. Sowohl bei Luxationen als auch bei Knochenbrüchen kommt es sehr häufig zu einem lebensbedrohlichen Schock beim Hund. Hier ist also Eile, aber keine Hektik, angesagt. Knochenbrüche sollten, wenn möglich, geschient werden. Die verletzten Gliedmassen nicht bewegen! Dies führt zu unnötigen Schmerzen und birgt die Gefahr, dass sich die Verletzung verschlimmert. In der Regel legt sich der Hund von sich aus so hin, wie es für ihn am erträglichsten ist. Respektieren Sie also, wenn Ihr Hund nach einem solchen traumatischen Ergebnis zur Ruhe kommt und „zupfen“ Sie nicht unnötig an ihm herum.

Weniger dramatisch sind Verletzungen an den Pfoten. Eine abgerissene Kralle blutet ziemlich stark - ist aber halb so wild. Achten Sie darauf, dass die Wunde sauber ist und verbinden Sie diese mit sterilem Verbandszeug. Soll der Verband länger als 15 - 20 Minuten halten, polstern Sie die Zwischenzehenräume und die Räume zwischen den Ballen gut mit Watte ab, damit sich hier keine Druckstellen bilden. Die Kralle wird wieder nachwachsen und der Hund keinen bleibenden Schaden davon tragen. Aber natürlich kann sich die Wunde - wie jede andere Wunde auch - entzünden. Auch dann hilft nur eine, in der Regel lokale, Behandlung mit Antibiotika. Auch Schnittwunden an den Pfoten sind sehr häufig. Hierbei müssen nicht immer nur herumliegende Glasscherben verantwortlich sein. Auch scharfkantige Schottersteine können zu sehr bösen Schnittwunden an den Pfoten führen. Joggende Hundehalter sollten daher ihre Routen nicht über grob geschotterte Wege wählen. Da die Pfoten und die Haut an den Ballen sehr schlecht durchblutet sind, ist eine chirurgische Wundversorgung (= Naht) wenig zielführend. Offene Wunden an den Pfoten müssen immer von innen nach außen granulieren. Polstern Sie die Wunde daher im Laufe des Heilungsprozesses gut ab und halten Sie diese stets sauber. Zur Wundreinigung hat sich Chlorhexidin bewährt. Chlorhexidin ist eigentlich ein Antiseptikum aus der Zahnmedizin - ist aber gerade auch bei geringfügigen Wunden an der Hundepfote das Mittel der Wahl. Chlorhexidin wirkt antiseptisch, also wundreinigend und lokal schmerzstillend. Es sollte daher in keiner Hunde-Haus-Apotheke fehlen. Alternativ zu einem gut gepolsterten Pfotenverband können auch gut sitzende Hundeschuhe verwendet werden. In der Wohnung reicht eine Kindersocke als Barriere gegen das ständige Belecken der Wunde durch den Hund.

Auch thermische Verletzungen der Pfoten sind weitaus häufiger als man glauben mag. Thermische Verletzungen sind Erfrierungen oder Verbrennungen. Erfrierungen treten naturgemäß ausschließlich im Winter auf, und zwar dann, wenn Feuchtigkeit und extreme Bodenkälte zusammen treffen. Ihr Hund rennt gerade noch durch Schmelzwasser und anschließend über frostigen Boden... Die Erfrierungen selbst bemerkt man in der Regel nicht sofort. Erst später, wenn der Hund beim nächsten Gang nach draußen deutlich unlustig reagiert. Durch Erfrierungen können sich leicht Ulcera bilden, also Geschwüre, die durch den kältebedingten Gewebedefekt entstanden sind. Hier hilft nur eine Entlastung der erkrankten Pfote und das permanente Eincremen der betroffenen Stellen, damit das neu entstehende Gewebe geschmeidig bleibt. Verbrennungen an den Pfoten entstehen gerade bei Aktivitäten auf heißem Asphalt. Vermeiden Sie daher jegliche Aktivität diesbezüglich. Tipp: Gehen Sie selbst im Sommer einmal barfuß auf Asphalt spazieren - Sie werden sehr schnell bemerken, wie sich Ihr Hund fühlen muss!

Sportverletzungen können passieren, müssen aber nicht. Um das Risiko einer Verletzung für Ihren Hund so gering wie möglich zu halten, geben Sie Ihrem Tier die Möglichkeit, sich vor dem Sport aufzuwärmen. Eben genauso wie bei den Menschen. Nach dem Sport soll sich Ihr Hund auch wieder „auslaufen“ können, damit der Organismus wieder langsam zur Ruhe kommt. Und trainieren Sie rassespezifisch: Einem Border Collie machen schnelle Stopps und Wendungen nichts aus, während das gleiche bei einem Rottweiler zu erheblichen Belastungen des Bewegungsapparates führt. Und packen Sie Ihren Hund nicht in Watte! Ein Hund ist ein Lauftier - er braucht die Bewegung.

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